Bertini–Preis für Theaterstück
"Guantánamo – Hölle auf Erden"
Meinem Dsp-Kurs und mir wurde am 27. Januar 2009 - dem Gedenktag für die Opfer
des Nationalsozialismus - für unser Theaterstück "Guantánamo - Hölle auf Erden" der Bertini-Preis verliehen.
Ralph Giordano selbst hat ihn uns übergeben und unseren Beitrag gewürdigt.
Im letzten Jahr haben wir das Stück auf Grundlage des Romans "Fünf Jahre meines Lebens" vom ehemaligen Guantánamo-Häftling Murat Kurnaz inszeniert.
Menschenrechte und die UNO halte ich für die wertvollsten Errungenschaften der Menschheit. Es ist eine erschütternde Tatsache, dass gerade die USA, welche einst die Menschenrechte verabschiedeten, ein menschenverachtendes Gefangenlager wie Guantánamo entstehen ließen. Noch erschreckender ist die Frage, wie es sein kann, dass in Guantánamo seit über sieben Jahren täglich unschuldige Menschen wie Tiere gehalten und gefoltert werden, ohne dass jemals wirkungsvoll dagegen vorgegangen wurde und dieses Unrecht bis zu diesem Zeitpunkt nie gestoppt wurde.
Wir waren uns einig, dass Guantánamo viel stärker öffentlich gemacht und kritisiert werden müsste, als es damals der Fall war.
Deshalb nahmen wir die Herausforderung an, mit einem Theaterstück dieses Thema wirkungsvoll unter die Menschen zu bringen.
Wir wollten das Schweigen durchbrechen und gezielt an die Öffentlichkeit gehen.
Nach der tieferen Befassung mit dem Thema traten zwischenzeitlich große Zweifel im Kurs auf, ob es gelingen könnte, die Geschehnisse in
Guantánamo in einem Theaterstück in all ihrer Schrecklichkeit angemessen wiedergeben zu können, ohne sie zu verharmlosen.
Doch letztendlich sind durch die Unterstützung von Herrn Schulze vier Aufführungen und ein Diskussionstag heraus gekommen mit vielen
begeisterten und auch berührten Zuschauern.
Doch das sollte noch nicht das Ende sein. Als einer von sechs Gewinnern wurden wir ins Ernst-Deutsch-Theater eingeladen und erhielten den Bertini-Preis, der jährlich an "junge Menschen mit Zivilcourage", zusammen mit einem Scheck über 1.500 Euro, verliehen wird.
Die anderen Preisträger haben sich hauptsächlich mit Themen aus der NS-Zeit beschäftigt: Ein Dokumentarfilm über die Kinder vom Bullenhuser Damm; ein Buch und zusätzlich ein Unterrichtskonzept mit Berichten jüdischer Zeitzeugen; ein weiteres Buch, in dem ein Zeitzeugengespräch mit einer Jüdin über ihre Jugend von zwei Mädchen festgehalten wurde; eine Ausstellung über Russische Zwangsarbeiter in Deutschland und ein Theaterstück mit dem Titel "Zukunft positiv", in dem sich Schüler mit dem Thema Aids auseinander setzten.
Alle Projekte fand ich sehr beeindruckend und auch die Worte von Ralph Giordano, der über seine schrecklichen Erlebnisse in der NS-Zeit, aber auch sehr positiv und ermutigend über die heutige Zeit und seine Freude an heranwachsenden jungen Menschen sprach.
Das Motto des Bertini-Preises lautet: "Hinschauen, wenn andere wegsehen. Sich einmischen, wenn andere vergessen. Eingreifen, wenn andere sich wegdrehen. Unbequem sein, wenn andere sich anpassen" - und genau dies halte ich für wirklich wichtige und zu betonende Eigenschaften. Sie sind durchaus nicht selbstverständlich und sollen deshalb umso mehr jedem und besonders auch den jungen Menschen, welche die Zukunft gestalten, ans Herz gelegt werden. Menschen mit Zivilcourage, die aufmerksam durchs Leben gehen, sind dringend gefordert und in diesem Sinne sollte sich jeder dazu aufgerufen fühlen hinzuschauen und seinen Teil zu einer aufgeklärten Welt mit Gerechtigkeit und Achtung vor Menschen und Menschenrechten beizutragen.
Bericht: Rosa Müllenmeister, Jg.13