Auf Entdeckungsreise nach Kassel
In der Woche vom 10. bis 14. November 2008 standen Herr Looft und Frau Schmidt als fehlend auf dem Vertretungsplan, weil die beiden auf Einladung der Bosch-Stiftung den Schulalltag an der Offenen Schule Waldau (Kassel) kennen lernen durften.
Die Offene Schule Waldau - kurz OSW - ist nicht nur eine Gesamtschule, sondern auch eine Reformschule,
die 2006 mit dem deutschen Schulpreis als ein besonders gute Schule ausgezeichnet wurde.
Die OSW hat insgesamt 870 Schülerinnen und Schüler in den Jahrgangsstufen 5-10.
Die Schule ist sechszügig, jede Klasse hat 24 Kinder. Je eine Klasse pro Jahrgang ist eine Integrationsklasse,
die in den unteren Jahrgängen als Bläserklasse geführt wird.
Unser Auftrag war es, neue Ideen mit zurück nach Bergedorf zu nehmen, aber auch den Kolleginnen und Kollegen der OSW eine Rückmeldung über ihre Arbeit zu geben. Viel Gutes konnte man in den letzten Monaten über die Schule in Kassel lesen, und der Besuch auf ihrer Homepage verstärkte die Neugierde auf diese ausgezeichnete Schule.
Wir empfanden es als absoluten Luxus fünf Tage lang an einer fremden Schule sein zu dürfen, ohne für den
Unterricht und die Erziehung der Kinder verantwortlich sein zu müssen. Wir hatten viel Zeit, um im und nach dem
Unterricht mit den Schülerinnen und Schülern und dem pädagogischen Personal zu sprechen.
Die OSW liegt in einem so genannten sozialen Brennpunkt Kassels, dennoch hat diese Schule jedes Jahr die meisten Anmeldungen in der ganzen Stadt.
Als sechszügige Schule kann die OSW lediglich 145 Schülerinnen und Schüler aufnehmen, so dass zuletzt über 200 Kinder abgelehnt werden mussten.
Da fragt man sich: Was macht diese Schule so beliebt? Und: Warum heißt die Schule "offene Schule"?
Schnell sind wir auf des Rätsels Lösung gestoßen: Alle Klassenräume sind ab 7:30 geöffnet,
obwohl der Unterricht erst um 8:45 losgeht. Gedrängel an den Türen gibt es nicht.
In diesem offenen Beginn ist Zeit für Hausaufgaben, Förderunterricht, Klönen und Spielen.
Jeder Jahrgang hat sein eigenes Haus oder seine eigene Etage, mit einer großen Gemeinschaftsfläche und
einem Lehrerzimmer für die Lehrer des Jahrgangsteams.
Während des gesamten Schultages, der bis mindestens 14:35 dauert, bleiben die Türen der Klassenräume und die Gemeinschaftsflächen offen, weil die Schüler einer Klasse nur selten alle zusammen im Klassenraum arbeiten. Man trifft sie allein oder in Gruppen auf der Gemeinschaftsfläche, wo es genug Arbeitsplätze gibt. Sie arbeiten in der Bibliothek, im offenen Labor, im Werkraum, im Computerraum, im Kunstraum oder in der Küche, aber auch auf der Streuobstwiese. Die älteren Schüler dürfen auch in der Cafeteria und im Bistro arbeiten. Und was erstaunlich ist, das Arbeitsmaterial besteht zu 90% aus Buch und Heft, kopierte Arbeitsblätter haben wir nur selten gesehen.
"Langsam und leise, freundlich und friedlich" lauten die Regeln, die von allen Mitgliedern der Schulgemeinschaft eingehalten werden sollen.
In unserer Besuchswoche konnten wir diese Schulatmosphäre genießen: kein Schüler darf ein Handy oder ein Musik-Gerät in der Schule benutzen,
für ihr Mensaessen stehen die Schülerinnen und Schüler ohne zu rempeln in einer langen Schlange an, nirgends liegt Müll rum und trotzdem
oder gerade deshalb sind alle von uns befragten Schülerinnen und Schüler froh und stolz, dass sie einen Platz in der OSW bekommen haben.
Neben einem Koffer voller guter Unterrichtsanregungen nehmen wir einen besonderen Arbeitsauftrag mit nach Bergedorf: dafür Sorge zu tragen,
dass auch an der GSB das Motto friedlich und freundlich, langsam und leise noch konsequenter durchgesetzt wird,
denn nur eine leise und freundliche Schule ist eine gute Schule.