Chronik 2011

Geschichten aus dem alten Prag

Woher hat die Stadt Prag eigentlich ihren Namen? Warum besteht sie fast ausschließlich aus Altbauten? Was versteht man unter der Prager „Hungermauer“ und wurde der berühmte Astronom Tycho de Brahe von Rivalen ermordet oder platzte ihm, wie die Legende besagt, tatsächlich die Blase? Diese und weitere Fragen wurden auf unserer Führung durch die malerische nächtliche Altstadt beantwortet, die ein spannender Teil unserer Studienfahrt in die Hauptstadt Tschechiens war.

PragPrag bietet viele erzählenswerte Geschichten rund um berühmte Persönlichkeiten sowie alte Bauten und überlieferte Sagen. Eine davon besagt, dass die Stadt ihren Namen (Praha; übersetzt: Schwelle) durch eine Hellseherin erhielt, die an der Stelle, wo Prag entstehen sollte ein fertig gebautes Haus gesehen haben soll, welchem lediglich die Türschwelle fehlte.
Die Stadt wurde an der Stelle, an der Die Hellseherin (Libusha?) die Vision gehabt hatte, erbaut. Prag war seit dem 9. Jahrhundert eine befestigte Stadt gewesen, die später als Königssitz diente. Karl der IV. und Rudolf II. machten sie zweimal zur Hauptstadt des heiligen römischen Reiches deutscher Nation. Nach dem 30 jährigen Krieg war die Festungsmauer beschädigt und musste neu errichtet werden. Der damalige König Rudolf II. bot den vielen Kriegsgeschädigten Essen und Unterkunft als Lohn für den Wiederaufbau der Mauer, die daraufhin den Namen „Hungermauer“ erhielt.

Nach einem Brand wurden viele alte Häuser Prags zerstört, die Grundstücke lange nicht neu besiedelt. Die Stadt bot die Ländereien später so günstig an, dass viele Reiche sich nicht nur eines sondern häufig mehrere Grundstücke kauften und diese bebauen ließen. Die Stadt besteht daher flächendeckend aus wunderschönen Altbauten aus der Epoche des Neoklassizismus (ab 1880). Es gibt jedoch auch viele andere Epochen, die Prager Gebäude hervorgebracht haben. Die Veitskirche auf der Prager Burg ist beispielsweise eine Mischung aus Gotik und Neogotik, da ihr Bau sich über mehrer Jahrhunderte erstreckte.
Auch innerhalb der Altstadt sieht man häufig Stilbrüche, die aus der Mischung mehrer epochentypischer Baustile entstanden.

Prager GrößenIn der Stadtgeschichte war Prag häufig ein Anziehungspunkt für Gelehrte, Schriftsteller und Wissenschaftler, da die Stadt als Hauptstadt immer ein Zentrum für Kultur gewesen war.
So zog es beispielsweise den berühmten deutschen Mathematiker und Astronomen Johannes Kepler als Assistenten des bedeutenden Astronomen Tycho de Brahe nach Prag. Den Tod Tycko de Brahes machen seltsame Umstände zu einer Legende, derer er zufolge an einer geplatzten Blase starb, da ihn die Strenge Hofetikette davon abhielt den Tisch vor dem Herrscher zu verlassen. Andere behaupten, er sei vergiftet worden, da Johannes Kepler eifersüchtig auf seinen wissenschaftlichen Ruf war. Die wahre Todesursache ist bis heute ungeklärt aber die beiden teilen sich friedlich ein gemeinsames Denkmal.

Prager HeiligerDie Stadt Prag zeichnet sich vor allem durch ihre vielen Brücken aus, zu denen es natürlich auch die ein oder andere Geschichte zu erzählen gibt. Zum Beispiel über den Brückenheiligen, den Pfarrer Johannes Nepomuk, der das Beichtgeheimnis mit dem Leben verteidigte, indem er von dem damaligen Herrscher zu Tode gefoltert wurde, der von ihm wissen wollte, was seine fromme Frau ihm bei der Beichte anvertraut hatte. Er wurde von der Karlsbrücke in die Moldau geworfen, aus der danach fünf Sterne aufgestiegen sein sollen. Diese sind an vielen Häusern und Wegen in der Stadt zu sehen, damit man erkennt, dass diese ihm geweiht sind. Johannes Nepomuk wurde heilig gesprochen und ist im Veitsdom in einem Grab aus massivem Silber beigesetzt. Das berühren seiner Statur auf der Karlsbrücke soll Glück bringen.

Linn Börjesson, Klasse 13e

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